Projekt Stratosphärenballon 2017/18/19 in E/AT

Der Start 19.11.19 war erfolgreich!

Der Dienstag meinte es gut mit uns: Das Wetter, die Technik und auch der Flug passten bestens zusammen.
Etwa 200 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften säumten als interessierte Zuschauer am Morgen des Starttages den Aufstiegsort und konnten die Vorbereitungen sowie den Start selbst aus nächster Nähe verfolgen. Die Befüllung und das Verschließen des Ballons, das Anhängen der Nutzlast, der finale Technik-Check verliefen diesmal problemlos. Und als ob jemand heimlich Regie geführt hätte, riss pünktlich zum Countdown der leichte Nebel endgültig auf und wir konnten unseren "Stratosurfer" in einen blau-weißen Himmel entlassen.

In der ersten dreiviertel Stunde gewann der Ballon zwar rasch an Höhe, bewegte sich aber horizontal eher gemächlich. Dies sollte sich bald ändern und mit dem Eintreten in die Höhenströmung wurde unser Fluggerät auf bis zu Tempo 270km/h beschleunigt. Den längsten Ost-West-Abschnitt legte der Ballon dann auch in nur einer halben Stunde zurück, bis er schließlich bei Mindelheim in ca. 35.000m Höhe platzte. Mit dem Abstieg am Fallschirm erreichte er dann wieder die tieferen Luftschichten und Winde, die ihn dann wieder, bis zur Landung nähe Landsberg, ein Stück nach Nord-Ost versetzten.
Da beim Flug alle 60s über den 2m-Band-Amateurfunksender auch der Standort übertragen wurde, machte sich das Suchteam etwa eine dreiviertel Stunde nach dem Start in Richtung des vorhergesagten Landeortes auf den Weg. Bereits gegen 13:00h war klar, dass die Kapsel in einem Wald gelandet war. Dort trafen wir gegen 15:00h ein und unsere Befürchtungen in Form von hohen Fichten sahen sich zunächst bestätigt. Auf moosigem Waldboden liefen wir einige 100m in den Wald hinein und konnten aufgrund der starken minütlichen Funksignale sicher sein, dass das Ziel nicht mehr weit lag. Schließlich entdeckten wir das Gespann aus Ballonrest, Fallschirm und Kapsel, die etwa 10m über Grund im Geäst hing. Mit Hilfe der vorbereiteten und aus Steckteilen zusammengesetzten Fangstange, mit Haken am Ende, verlängert durch ein längeres trockenes Fichtenstämmchen, gelang es Adrian und Hamidou dann recht schnell, die Kapsel herunter zu ziehen. Erwähnenswert ist hierbei auch die Verbindungstechnik zwischen Fang- und Fichtenstange: hierbei benutze Adrian kurzerhand die langen Schnürsenkel aus seinen Wanderstiefeln. Gut, das sie keinen Reißverschluss hatten ;-).
Insgesamt war das Bergungsteam fünfeinhalb Stunden unterwegs, was aber angesichts des schönen Ergebnisses keine Mühe darstellte.
Die nächste Aufgabe ist nun, die vom Mikrocontroller und den Sensoren aufgenommenen und abgespeicherten meteorologischen/physikalischen Daten aufzuarbeiten und darzustellen.

Nochmals an dieser Stelle herzlichen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!

Eine weitere Galerie gibt es auf der Seite des Ortsverbandes Tuttlingen des Deutschen Amateur-Radio-Clubs, P13. Danke für's Dabeisein!

Bilder eines begrenzten Planeten

Hier nun die "Beute" - die Bilder vom Aufstieg, eines knapp vor der Landung und der Moment der erfolgreichen Bergung.
Deutlich zu erkennen ist, dass in diesen Höhen der Himmel bereits schwarz erscheint und der uns vertraute "Blaue Himmel" eben nur eine dünne Schicht zwischen Erdoberfläche und Weltall ist.

Damit erinnert diese kleine Expedition auch daran, dass unser Planet begrenzt ist und unseren oft ja unbegrenzten Ansprüchen auf Dauer nicht standhalten kann - wenn wir sie nicht reduzieren ...

Die Flugbahn

Der Verlauf des Fluges entsprach sehr genau der Vorhersage. Hier zwei Screenshots der Website aprs.fi, auf der online der Weg dargestellt wurde. Offenbar war der Ballon für die Luftabwehr beim Überqueren des Truppenübungsplatzes Stetten a.k.M. kein ernsthaftes Ziel :-).

Wo waren die Funksignale zu hören?

Wie zu erwarten, waren die Funksignale der Kapsel, aus der großen Höhe in ganz Zentraleuropa zu hören.
Aus folgenden Ländern gingen Empfangsberichte ein:

Deutschland, Niederlande, Luxemburg, Belgien. Schweiz, Frankreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Ungarn, Österreich, Polen.

Größte Reichweiten:
1. Zentral-Bosnien nördlich Zenica, 695,2km
2. Stettin, Polen, 685,8km
3. Nördlich Rom, 647,6km

Dies ist mit Blick auf die Sendeleistung von nur 1W und der einfachen Bordantenne eine beachtliche Leistung.
Eine komplette Übersicht der Empfangsmeldungen kann hier herunter geladen werden:

Empfangsreichweite DK 0 FVS-11
Empfangsberichte der Aussendungen des Fluges von DK 0 FVS-11
am 19.11.2019
rx DK0FVS.pdf
Adobe Acrobat Dokument 57.0 KB

Presseberichte

Auch in der Presse (Schwäbsiche Zeitung, Gränzbote Ausgabe Tuttlingen) war unser Projekt an zwei Tagen Thema. Vielen Dank für den Besuch am Starttag und die Berichte!
(Zum Lesen vergrößern Sie zuerst das jeweilige Bild und klicken dann zum Vergrößern auf das Lupensymbol rechts oben.)

Aktualisierung - November 2019

Nach dem Fehlstart im Juni ist es nun November geworden.
Alle Neuigkeiten finden sich unter Aktuelles!

Unser Dank geht an alle Unterstützer, Behörden und Institutionen.
Wir danken (Reihenfolge ohne Wertung):

  • Dem Landkreis Tuttlingen als Schulträger. Ohne ihn wäre auch dieses Projekt nicht möglich.
  • Der Stadt Tuttlingen für die unkomplizierte Genehmigung zur Nutzung des Startplatzes "Umläufle".
  • Dem Regierungspräsidium Stuttgart, Landesluftfahrtbehörde, für die ebenfalls unkomplizierte Abwicklung und die Zusage der Starterlaubnis auch für einen Ersatztermin.
  • Der Deutschen Flugsicherung für die freundlichen und beruhigenden Auskünfte. Demnach gab es noch nie einen Zwischenfall mit Wetterballons. Insofern sind wir optimistisch, dass dies so bleibt ;-).
  • Der Bundesnetzagentur für die Genehmigung, das Rufzeichen der Steinbeis-Funkstation (DK 0 FVS)  für den Flug der "unbemannt und automatisch sendenden Amateurfunkstelle" benutzen zu können.
  • Der Allianz für die ebenfalls sehr flexible Zusage der Versicherung des Fluges, auch für den neuen Termin.
  • Dem Ortsverband Tuttlingen, P13 des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) für die Begleitung.
  • Der Schulleitung allen Kolleginnen und Kollegen, dem Hausmeisterteam, unserem Sekretariat, für Unterstützung und Interesse.
  • Dem Team von Stratoflights für die Beratung und Versorgung mit dem nötigen Material: Ballon, Fallschirm.
  • Dem Amateurfunkteam von WiMo für die Beratung und die stets qualitativ hochwertigen Komponenten.

Thanks to the UK High Altitude Society to give the community with the UKHAS-wiki an awesome support for balloon-projects.

Einmal die Welt ganz von oben sehen, höher als aus fast jedem Flugzeug? Wenn auch nicht persönlich so ist es doch technisch möglich - mit einem Stratosphärenballon.
Der Start eines Stratosphärenballons verbindet das technische Interesse, Amateurfunkaktivitäten und das Bewusstwein für die Einmaligkeit unserer Erde.
Ein derartiger Ballon ist mit einem Wetterballon vergleichbar und trägt wie dieser eine Nutzlast. In diesem Fall handelt es sich dabei um verschiedenen Sensoren, die z.B. die Höhe, Temperatur und Luftdruck aufnehmen. Weiter ist eine Kamera an Bord, die den Flug im Bild festhält. Die Daten während der Flugphase werden per Amateurfunk zur Erde übertragen. Die Übertragung erfolgt digital in einem offenen Standard, der von allen entsprechend technisch ausgerüsteten Stationen aufgenommen werden kann. In der Nähe seiner Gipfelhöhe decken die Funksignale dann fast ganz Mitteleuropa ab.
Das Projekt wird in diesem Schuljahr als Zusatzkurs in der Klasse E2/3AT, Elektroniker für Automatisierungstechnik, durchgeführt.
Danke an alle Unterstützer dieses Projekts, alle Behörden, den Ortsverband P13 des Deutschen Amateur-Radio-Clubs sowie an das freundliche Team von Stratoflights für die guten Infos! (Links dazu siehe hier)

 

Das Projektteam

Erste Reihe (von links): Dennis, Benjamin, Enis, Samira, Laura, Annika, Adrian.
Zweite Reihe: Hamidou, Daniel, Marvin, Dorian, Alwin, Fabian, Ted, Christian.

Übersicht: Komponenten Ballonprojekt (erstes Konzept)

Quelle: https://ukhas.org.uk/general:beginners_guide_to_high_altitude_ballooning

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